Nürnberg - Die bayerische Unternehmerfamilie Wöhrl hat es nicht lange mit einem familienfremden Vorstandsvorsitzenden ausgehalten: Zum Beginn des neuen Jahres rückte Olivier Wöhrl (31), Enkel des Unternehmensgründers, an die Spitze der Nürnberger Textilhaus-Kette Rudolf Wöhrl AG. Das wurde jetzt überraschend bekannt.
Damit endet die relativ kurze Zeit des in Wiefelstede (Ammerland) aufgewachsenen Marcus Kossendey (45) an der Vorstandsspitze: Der 45-Jährige war zum April 2010 berufen worden. "Es ist ein Zeitpunkt gekommen, ab dem ein sauberer Schnitt angebracht gewesen ist", sagte Olivier Wöhrl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Kossendey war zunächst nicht zu erreichen. Offen blieb, wo er künftig tätig sein wird.
Das 1933 von Rudolf Wöhrl gegründete Unternehmen war stets von Familienmitgliedern geleitet worden. Die Unternehmensgruppe umfasst 40 Standorte mit über 2600 Beschäftigten. Der Umsatz betrug letzten Angaben zufolge rund 362 Millionen Euro.
Die Eigentümer-Familie Wöhrl, zu der bekannte Persönlichkeiten wie die einstige maritime Koordinatorin der Bundesregierung, Dagmar Wöhrl, oder der flugbegeisterte Gerhard Wöhrl gehören, berief mit Kossendey erstmals einen Externen an die Spitze. Es galt damals, das Unternehmen zu konsolidieren und auch zu expandieren. Der Diplom-Betriebswirt Kossendey brachte Erfahrung von C&A, Otto sowie Peek&Cloppenburg und aus sieben Auslandsmärkten mit.
Aufgewachsen war Marcus Kossendey als Spross einer Apothekerfamilie in Wiefelstede. Nach dem Abitur in Jaderberg und Wehrdienst bei der Luftwaffe startete er seine Karriere mit einer Ausbildung bei C&A.
03.01.2012 | Nordwest-Zeitung